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Resilienz AGOffene Arbeitsgruppe

Die Resilienz AG

Vier Perspektiven

Hintergrund

Nächster TerminSo., 13. Sept.

Hintergrund

Schutzfaktoren

Was ein Schutzfaktor ist

Resilienz wirkt nicht als eine große Fähigkeit, sondern als Zusammenspiel vieler einzelner Dinge, die bei jedem unterschiedlich ausgeprägt sind. In der Forschung heißen sie Schutzfaktoren.

Geschützt wird dabei nicht vor dem Ereignis, sondern vor seinen Folgen. Ein Schutzfaktor verhindert keine Kündigung, keine Trennung und keine Diagnose, und er nimmt den Schmerz nicht weg, der danach kommt. Was sich ändert, ist die Wahrscheinlichkeit, dass aus einer schweren Zeit etwas Dauerhaftes wird. Wer Schutzfaktoren hat, bleibt eher handlungsfähig, statt nur noch zu reagieren.

Schutzfaktoren zeigen sich meist erst in der Krise

Wer jemanden kennt, den er nachts um drei anrufen könnte, hat davon im normalen Alltag keinen Vorteil gegenüber Menschen, die niemanden haben. Erst wenn eine Krise eintritt, kann diese Möglichkeit sehr viel ausmachen. Deshalb lässt sich auch schwer vorhersagen, wie jemand in einer Krise dastehen wird.

Der Rückschluss funktioniert genauso wenig. Wenn eine Krise jemanden umwirft, heißt das nicht, dass ihm die richtigen Faktoren gefehlt hätten. Manche Belastungen sind so groß, dass sie jeden umwerfen, und Menschen reagieren darauf sehr unterschiedlich.

Woher diese Schutzfaktoren kommen

Die Resilienzforschung hat mit einer unerwarteten Beobachtung angefangen. In den fünfziger Jahren begleiteten Forscherinnen auf der Hawaii-Insel Kauai fast siebenhundert Kinder über vierzig Jahre hinweg. Ein Drittel von ihnen wuchs unter sehr schwierigen Bedingungen auf, mit Armut, Krankheit, Gewalt oder Sucht in der Familie. Ein Teil dieser Kinder entwickelte sich trotzdem gut, und die Frage, woran das lag, hat das Forschungsfeld begründet.

Seit den neunziger Jahren wird dieselbe Frage für Erwachsene gestellt. Was hilft Menschen, die eine Katastrophe, eine schwere Erkrankung oder einen Verlust erlebt haben, wieder auf die Beine? Aus diesen Studien stammen die meisten Schutzfaktoren.

Was die Forschung dabei ausblendet

Die Forschung schaut vor allem auf das, was in der Person liegt. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Einflüsse bleiben meist außen vor, und strukturelle Probleme können dadurch als persönliche Defizite gedeutet werden.

Vier Blickwinkel auf dasselbe Thema

Bei der Resilienz AG denken wir Schutzfaktoren, Ressourcen und Verhaltensweisen eher als Ansatzpunkte, die wir auf vier Perspektiven verteilen. Resilienz wirkt als Ganzes, und manche Ansatzpunkte erschließen sich erst, wenn man sie zusammen denkt. Oder auch erst, wenn man sie aus verschiedenen Perspektiven erarbeitet.

Was anderswo Netzwerkorientierung heißt, teilt sich hier deshalb in zwei Ansatzpunkte, nämlich Rückhalt durch andere Menschen als Ressource und Hilfe holen als Handlung. Umgekehrt stehen Emotionsregulation und Impulskontrolle in den gängigen Modellen getrennt, gehören hier aber zusammen, weil beides Fertigkeiten sind, die sich üben lassen.

Haltung, wie ich denke

Womit rechne ich, und wie erkläre ich mir, was mir passiert?

Hier finden sich Optimismus, Akzeptanz, Kausalanalyse und Selbstwirksamkeit.

Kompetenz, was ich kann

Wie komme ich durch den Moment, in dem es mich trifft?

Hier finden sich Emotionsregulation, Impulskontrolle, Lösungsorientierung und Empathie.

Ressourcen, was mich trägt

Wer und was hält mich, wenn ich es allein nicht schaffe?

Hier findet sich die Netzwerkorientierung, soweit es um Rückhalt geht.

Handeln, was ich tue

Was steht mir offen, und was davon will ich tatsächlich ändern?

Hier finden sich die Opferrolle verlassen, Verantwortung übernehmen, Zukunftsplanung und Initiative.